Tool – Fear Inoculum

Gänsehaut auf den Ohrläppchen

VÖ: 30. August 2019

Geil, geil, geil! Ein neues Album von Tool! Endlich! Wie lange haben wir warten müssen? 13 Jahre? Ja verdammt, 13 f**king Jahre! Oft haben wir uns gefragt, wie lange Tool-Sänger Maynard James Keenan noch mit Puscifer auf Tour gehen will. Dann kam im vergangenen Jahr das neue Album des Nebenprojekts „A Perfect Circle“ raus und so langsam verdichteten sich die Anzeichen auf ein neues Tool-Album. Und jetzt halte ich es endlich in den Händen, Wahnsinn!

Für ein Tool-Album muss man sich Zeit nehmen, das ist nichts für mal eben zwischendurch in der U-Bahn. Ein Tool-Album ist ein Gesamtkunstwerk, so auch „Fear Inoculum“, das übersetzt so viel heißen kann wie „Angst vor dem Impfstoff“. Tool schlagen einem musikalisch nicht sofort in die Fresse. Sie geben einem eine lange Ganzkörpermassage mit heftigem Happy End und anschließendem Entspannungstee.

Beim Titeltrack „Fear Inoculum“ müssen wir uns alle erst einmal daran gewöhnen, dass Tool wieder da sind. Langes Intro. Gesang erst nach zwei Minuten. Sphärisches Gitarrenbett. Rhythmuswechsel. Laufzeit 10:20 Minuten. Ja, das sind eindeutig Tool! Noch gibt es keinen Ausraster, doch die Band macht genau dort weiter, wo sie vor 13 Jahren aufgehört hat.

„Pneuma“ legt anschließend in Sachen Rhythmus und Kraft noch eine Schippe drauf. Im Mittelteil fühle ich mich plötzlich an Daft Punk erinnert. Das Finale ist schön griffig. Ich bin im Album angekommen und freue mich auf den Rest.

Bei „Litanie contra la Peur“ wird uns eine kurze Verschnaufpause gegönnt. Die ist nach zwei Songs mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als 22 Minuten auch bitter nötig. Mit „Invincible“ folgt dann mein erstes Highlight. Den Song hatte ich dieses Jahr bei Rock im Park bereits live gesehen und war absolut euphorisiert, was das neue Album angeht. Der Rhythmus ist absolut irre und zwischendurch begeistern uns ein herrlich kratziges Gitarrensolo sowie weitere Autotune-Parts.

Nach einem weiteren Zwischenstück („Legion Inoculant“) folgt „Descending“, das ich ebenfalls bei Rock im Park schon für gut befunden hatte. Es ist der zweitlängste Track des Albums mit vielen Überleitungen, aber einem hammermäßigen, zweistimmigen Gitarrensolo.

Der absolute Bombtrack des Albums ist meiner Meinung nach „Culling Voices“. Der 10:05 Minuten lange Songs beginnt verträumt und lässt lange Zeit auf gutes Wetter hoffen. Dann bei Minute 6:25 öffnet sich endlich der Himmel und die Tool-Götter schicken uns einen Ausraster nach Maß. Gänsehaut auf den Ohrläppchen! So will ich das, Danke!

Jetzt müssen wir wieder durchatmen. Im Nacken kribbelt’s immer noch. Das Zwischenstück „Chocolate Chip Trip“ hält den Puls aber hoch, beinhaltet es doch neben elektronischen Soundschnipseln wie aus Star Wars, Pac-Man oder Tron auch ein hervorragendes Drum-Solo.

Das Finale auf „Fear Inoculum“ heißt „7empest“ und ist ein absolutes Gitarren-Meisterwerk. Auf 15:43 Minuten (!!) kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schnell auf die 12. Schönes Geschrabbel immer wieder. Ein absoluter Tool-Flagship-Song. Danach noch ein paar Vögelchen bei „Mockingbeat“, Vorhang, Tschüss.

Was war das denn geiles bitte! Nach fast eineinhalb Stunden Tool muss ich das Gehörte erst mal fassen. Auch beim zweiten und dritten Hören lässt sich neue Album noch nicht gänzlich begreifen, aber eines ist klar: Tool haben gefehlt!

Ich hatte ein bisschen Angst vor dem neuen Album, denn ich fürchtete eine Enttäuschung. Doch wie kann man ein schlechtes Album abliefern, wenn man dafür 13 Jahre Zeit hatte? Tool haben es geschafft, sich ihren Spirit über diese lange Pause zu erhalten. Sie liefern in all ihren Songs die gewohnt coole Grundstimmung, virtuose Rhythmen und faszinierend-futuristische Klänge. In langen Intros baut sich eine gewisse Anspannung auf. Immer kurz vor der Explosion, die sich nicht immer entlädt.

Zurecht können Tool nirgendwo eingeordnet werden und bezeichnen sich selbst als „Metal des denkenden Menschen“. Absolut kein Mainstream. Mitklatschen unmöglich. Und deswegen für den ZDF-Fernsehgarten absolut ungeeignet. Bitte lasst uns bis zum nächsten Album nicht wieder 13 Jahre warten!

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